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An der westafrikanischen Küste, am Mündungsgebiet des gleichnamigen Stromes,
gibt es ein glitzekleines englischsprachiges Land, das vollkommen vom großen französischsprachigen
Senegal umschlossen ist: The Gambia. Genau das richtige für eine Woche Flucht aus dem
trüben deutschen Herbst, dachte ich mir, als ich mir im Frühjahr 2006 einen Billigflug nach Banjul
mit Termin um meinen Geburtstag herum schnappte. Also dieses Mal ganz anders feiern als noch im Jahr zuvor
->.
Die Strände waren menschenleer und viele Lokale noch geschlossen. Ich war einfach einen Monat zu früh.
Im September ist es noch viel zu heiß. Außerdem stand eine Präsidentenwahl an.
Wie wir leider seit dem Dezember 2007 aus Kenia wissen, muss es danach ja nicht immer friedlich weiter gehen.
Aber die Gambier scheinen mit ihrem jungen Präsidenten recht zufrieden zu sein. Yahya Jammeh putschte
sich 1994 an die Macht. Er war damals zwar nur Armee-Leutnant, aber er wusste den Zorn der Soldaten über
die immer wieder verspäteten Soldzahlungen zu seinen Gunsten zu nutzen.
Während der Bürgerkriegszeiten in Sierra Leone und Liberia hat er großzügig Flüchtlinge
in das winzige Land gelassen. So leben heute neben den zu 99% muslimischen Gambiern auch viele Angehörige
christlicher Religionen im Land.
Zu allem Überdruss war während meines Besuches auch noch Ramadan. Deshalb habe ich beim Kauf einer
gambischen SIM-Karte einen Gebetsteppich als Dreingabe bekommen. Da ich aber für Gebetsteppiche nun Mal
keine Verwendung habe, habe ich das Ding gerne an
Bakary, meinen Haupt-Taxifahrer abgegeben.
Man sieht zwar nur sehr wenige verschleierte Frauen, aber der Ramadan wird streng eingehalten. So laufen dann
viele der ethnischen Gambier am frühen Nachmittag nur noch auf Sparflamme und sind teilweise gar nicht
mehr ansprechbar. Sorry, aber bei dieser Hitze den ganzen Tag nichts trinken kann nicht gesund sein !
Gambia lebt heute vom Handel, vom Schmuggel, von der Landwirtschaft - vor allem Erdnüsse -,
immer noch ein wenig vom Fischfang und vom Tourismus. Der Tourismus schwarzer US-Bürger nahm in den
zurückliegenden Jahrzehnten einen starken Aufschwung wegen der Filmserie Roots. Im Jahre 1976 erschien
die Familiensaga Roots des schwarzen US-Schriftstellers Alex Haley und die Verfilmung ließ nicht
lange auf sich warten. Seit dem steht Gambia - neben der Île der Gorée im Senegal -
für eines der großen Verbrechen der Menschheit: die Sklaverei.
Nach mehreren Reisen nach Westafrika war Alex Haley zu der festen Überzeugung gekommen, in dem jungen Mandingo-Burschen
Kunta Kinte einen seiner Vorfahren entdeckt zu haben. Obwohl er erst 17 Jahre alt war, als er für seine
Angehörigen für immer spurlos verschwand und offensichtlich von Sklavenjägern beim Holzsammeln gefangen und
verschleppt worden war, war er damals im Jahre 1767 schon so bekannt, dass sich die mündlichen Überlieferungen
über ihn bis ins 20-te Jahrhundert erhalten haben. Man muss sich klar machen, was diese Entführung bedeutet.
Von der grausamen und menschenverachtenden Behandlung abgesehen, hat der junge Kunta Kinte für den Rest
seines Lebens keine Möglichkeit mehr seinen Angehörigen irgendetwas mitzuteilen, wie zum Beispiel:
Hallo Leute, mir geht es dreckig, aber ich lebe. Und ich hätte dann gerne für ihn
hinzugefügt: Und in 200 Jahren werden meine Nachkommen mit donnernden Eisenvögeln über
den Ozean fliegen und Eure Nachkommen besuchen!
Aber man darf nicht von Gambia reden, ohne auch den Baobab zu erwähnen. In der Mitte eines Dorfes gibt es
meistens einen Platz, der von einem riesigen uralten Affenbrotbaum beherrscht wird. Das ist der Baobab. Der gute Saft,
der aus seinen Früchten gewonnen wird, heißt Bonjo. Im Schatten des Baobab wurden die Erzählungen
über Kunta Kinte von Generation zu Generation weiter gegeben.
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